Irminrat von Großauheim

Irminrat war eine Stifterin des Klosters Lorsch aus dem Maingau. Im Lorscher Kodex ist über die Schenkung vom 30. März 806 geschrieben:

In Christi Namen, am 30. März im 38. Jahre des (Kaiser Karl). Ich, Irminrat, lasse dem hl. Märtyrer Nazarius eine Gabe zukommen. Sein Leib ruht im Lorscher Kloster, dessen Vorsteher der verehrungswürdige Abt Adalungus ist. Nach meinem Willen soll die Schenkung für alle Zeiten in Kraft bleiben, und ich versichere, dass ich sie vollkommen freiwillig gemacht habe. Ich übergebe im Maingau in Rompenheim, in Bellingen und in Ewicheim sechs Hufen und 40 Leibeigene.“
Urkunde 3424 (30. März 806 — Reg. 2943)

Unter Ewicheim ist mit größter Sicherheit der Ort Auheim zu verstehen, das Schenkungsdokument ist die offizielle Geburtsurkunde von Klein- und Großauheim

Seit der 1200-Jahr-Feier im Jahr 2006 wird jährlich in Großauheim vom dortigen Gewerbeverein der so genannte Irminratsmarkt organisiert,[6] ein historisches Straßenfest, das in diesem Stadtteil von Hanau an das Mittelalter und die Zeit der Irminrat erinnert. Alle zwei Jahre wird aus der weiblichen Bevölkerung eine „Adlige Frau Irminrat“ ausgewählt, die diesen Ort nach außen, auch in der Hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden beim jährlichen Empfang des Ministerpräsidenten, repräsentiert.
Quelle: Wikipedia

Die edle Frau Irminrat kehrt nach Großauheim zurück

2008 kehrt Irminrat aus den Tiefen der Geschichte leibhaftig nach Großauheim zurück: Standesgemäß in historisches Gewand gekleidet, wirbt Frau Irminrat seither als Repräsentantin Großauheims für den Hanauer Stadtteil.

Das „Theater um Irminrat“, anlässlich der 1200-Jahr-Feier Auheims 2006,  ist die Quelle der Inspiration. Die Figur der Stifterin wurde seit dem Schauspiel zum Publikumsliebling. Gesponsert vom Gewerbeverein des Stadtteils, der bereits 2005 einen Mittelaltermarkt startete, erwacht die historische Figur zu  neuem Leben. Sabine Laber, Autorin des Theaterstücks und  Jürgen Weiß, damals Vorsitzender des Gewerbevereins und Aktiver im  „Förderkreis Kultur in Großauheim“ treiben die Idee voran. Mit der edlen Irminrat ist ab dann zu rechnen, wenn regionale Veranstaltungskalender geschrieben werden. Die Repräsentantin der Irminrat ist mit Leib und Seele Großauheimerin. Dies ist keine Frage des Geburtsortes, sondern der inneren Einstellung. Alle 2 Jahre wird einer neuen aktiven Großauheimerin das Amt angetragen, jede gestaltet es nach anderen Kriterien und doch charmant und liebenswürdig. Sie zeigt sich dem Volke bei den wichtigen Großauheimer Veranstaltungen: (früher war es der Irminrats-,)Frühlingsmarkt "Großauheimer Meile", Rochus- und Weihnachtsmarkt, Mainuferfest und Faschingsumzug sind hierzu standesgemäße Anlässe. Leider musste die Durchführung des "Irminratsmarkt" nach 10 Jahren (2007-2017) aufgegeben werden, ein Schicksal das auch andere Mittelaltermärkte erfasste. 

 Wer Irminrat tatsächlich war und welchen Teil ihrer Besitzung „Ewichheim“ sie anno 806 dem Kloster Lorsch schenkte, liegt noch in den Schatten des Frühmittelalters verborgen. Gegeben hat sie beiden Auheimern  die Geburtsurkunde ihrer Ortschaft, die heute zwei Namen – Klein- und Großauheim – führt, damals unter Kaiser Karl aber mit einiger Sicherheit ein einziges Dorf verteilt auf beide Flussufer war. Deshalb war sie die Hauptfigur des Theaterstücks, das ja für Jubiläumsfeiern beider Teile gedacht war. Wer bei den Jubiläumsfeiern 2006 aufgepasst hat, weiß das alles schon.

Irminrat VI

Sabine Läpple war die erste Irminrat, die 2018 ohne Irminratsmarkt inthronisiert wurde. Weil aber die beliebte Figur würdig eingeführt werden sollte, kam es zu einem eigenen Festakt. Dazu lud der Förderkreis Kultur, der Heimat- und Geschichtsverein Großauheim und der Gewerbeverein mit Unterstützung der Stadt Hanau zu einer eigenen glanzvollen Feier ein, sie ist also die erste, die mit dem Kaiserpaar Heinrich II und Kunigunde fotografiert werden konnte. Aus der Nachbarschaft eilte der historische Stadthalter von Alzenau, Hans von Bodungen herbei, und auch der Oberbürgermeister nimmt Anteil. 

2018, anläßlich der Inthronisierung von Irminrat VI versammeln sich (im Bild von links):
Irminrat I, V, II, Fahnenträger, Irminrat VI, Hans von Bodungen, Kaiserin Kunigunde, Irminrat IV, Kaiser Heinrich II und deren Gefolge.

Irminrat V mit Nachwuchs

Alexandra Kinski, die Großauheimerin wohnt mit Mann und Kind im Haus ihres Urgroßvaters - dem Bierbrauer Heinrich Botzum. Sie engagierte sich intensiv im Ruderclub in der Kommunalpolitik bei den Grünen. Weshalb sie sich im blühenden Rochsplatz besonders gut ausmacht.

Sie erhielt von ihrer Vorgängerin die "Insignien: die Rolle und den Krauthabsch in schönem Körbchen und mit den besten Wünschen für eine gute "Regentschaft". Sie brachte bei verschiedenen Gelegenheiten ihre kleine Tochter mit und gab damit der Stadtpatronin noch mal einen anderen weiblichen Aspekt.


Irminrat IV eine Romanheldin

Ingrid Möhwald ist geborene Auheimerin, die in der Nachpubertät nur 5 Jahre im Exil – hier: Steinheim – gelebt hat, aber dann wieder reumütig in ihre damalige Geburtsstadt zurückgekehrt ist. Sie hat hautnah die Stadterhebung mitbekommen.  In der Schulklasse wurde anlässlich dieser Stadterhebung Wilhelm Busch’s „Max  und Moritz“ dargestellt: Sie hat in der Rolle der Frau von „Schneider Böck“ den Festumzug in Großauheim begleitet. Sie hat – wie ihre Amtsvorgängerin – Konfetti im Blut, war Prinzessin und hat sich über die Auheimer Landes-grenzen hinweg als Trainerin der 1.GKG-Prinzengarde einen Namen gemacht. Noch heute redet  man - sehr positiv und mit Hochachtung - über die damalige Prinzengarde. Sie war die erste Irminrat, die mit dem Buch „Irminrat“ ausgestattet war und sozusagen eine Biografie vor sich hatte, die nicht nur als eben jene dürre Information aus dem Lorscher Kodex erschien sondern als Mensch von Kindheit bis zum Alter vorgestellt wurde, was zur Rentnerin gut passte.

2014, kurz vor der nächsten Wahl veröffentlicht Sabine Laber-Szillat ihren Roman, in dem die dürren Fakten des Lorscher Kodex mit Leben und einer Biografie umhüllt werden, das „Gerippe“ der Fakten (4 Einträge von Schenkungen Irminrats im Kodex) erhält phantasievolles Fleisch. Von der Kindheit bis zum Tod wird das Leben einer Frau erzählt. Die frühmittelalterliche Zeit wird lebendig, Irminrat begegnet Karl dem Großen, der Europa wesentlich prägt, Christianisierung und Alphabetisierung vorantreibt. Ihre Bindung an das Kloster Lorsch wird erklärt und es wird verständlich, warum sie so reich schenkt.

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Irminrat III auf eigenem Wagen

Simone Rayher nahm 2012 die ehrenvolle Regentschaft an. Schon im legendären Theaterstück zur 1200-Jahr-Feier Auheims im Jahr 2006 spielte Simone Rayer  unter anderem die „Dritte“ Irminrat. So ist es nicht verwunderlich, dass sie auch zur dritten Irminrat ernannt wird: Simone ist als echte Auheimerin ihrem Heimatort nicht nur durch Wohnen, Leben und verschiedenen Aktivitäten, sondern vor allem durch ihre Kreationen in ihrem beliebten Cafè Rayher in der Großauheimer Hauptstraße verbunden. Simone mit ihrem unglaublichen Naturtalent in Schauspiel und Darstellung brachte die Figur zum Strahlen. So fuhr sie auf ihrem eigenen Karnevalswagen!


Irminrat II die erste Hoheit

Als „Irminrat die Zweite“ übernahm Kerstin Giesel das ehrenvolle Amt. Tine Giesel, geboren 1979, lebt schon ihr ganzes Leben in Großauheim und engagierte sich hier vor allem im Rahmen des Heimat- und Geschichtsvereins Großauheim, dessen Vorsitz sie damals hatte, später ist sie im IGV  und anderen Vereinen aktiv. Beruflich ist sie als Lehrerin an der Friedrich-Ebert-Schule in Mühlheim tätig und unterrichtet dort Englisch und Geschichte. Sie achtete in ihrer Kleidung auf historische Genauigkeit,  ihr Gewand war das erste, das der Gewerbeverein bezuschusste.

Sie war die erste, die beim Empfang der hessischen Hoheiten zu Ministerpräsident Bouffier ins Rondell nach Wiesbaden-Biebrich eingeladen wurde. Sie ist damit in den Kreis der Edlen auch in der heutigen Zeit aufgenommen worden. Tine war die erste Irminrat, die unter ihrer eigenen Fahne einherschritt. Seither begleitet ein Fahnenträger die Edle Frau.


Irminrat I die Mutige

Die Großauheimer Auch-Geschäftsfrau Kerstin Koppke Hain besaß bereits Irminrat-Erfahrung: Stand sie doch schon beim großen Theaterstück anläßlich der Auheimer 1200-Jahr-Feier als Irminrat auf der Bühne. Wir wußten noch nicht, ob unsere Freude an der neuen Figur sich verbreiten würde, so war es  einiger Mut notwendig, das Theaterkostüm „anzubehalten“ und sich so den Großauheimern als neue Patronin zu präsentieren, die Kleidung wurde auf blau und grün festgelegt: blau für den Fluß, grün für die Au. Wie gut, dass sie damals so beherzt „JA“ sagte!

Mit der Edlen Frau Irminrat gibt sich auch Großauheim eine „Königin“. Während jedoch anderswo Weinköniginnen, Stöffche-Queens und Rosenladys dem Vergnügen huldigen, ist die Edle Frau Irminrat einzigartig. Sie ist ein Zeichen  für die weltoffene Eigenständigkeit und das gesunde Selbstvertrauen der Großauheimer. Zum 5. Irminratsmarkt, am 25.4.2010, ging die Regentschaft von „Irminrat der Ersten“ zu Ende. Kerstin Koppke-Hain hat die Figur der Irminrat in Großauheim innerhalb von zwei Jahren noch populärer gemacht. Hierfür gebührt ihr großer Dank und Anerkennung.


Bildnachweis: phoxmedia.de, Privat, Heimat- und Geschichtsverein Großauheim.
Text und Bilder: grossauheimer-geschichtsverein.de

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